Nachfreude

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, sagt man. Stimmt irgendwie schon. Ich persönlich habe fast mehr Freude an der "Nachfreude".

Wenn man reist und ein gedrängtes Programm hat, verliert man sehr schnell einige Eindrücke aus dem Gedächtnis. Es gibt so viel Neues zu entdecken. Die Flut an neuen Bildern, Ansichten, Geräuschen, Menschen, neuem Essen und Situationen ist so gross, dass wir es eigentlich nicht schaffen, alles zu speichern. Darum machen wir wohl Fotos von einprägenden Momenten einer Reise und schreiben Reisetagebücher.

Das geht mir nicht anders. Wenn ich nach einer Reise die Bilder bearbeite, erlebe ich die ganzen schönen Augenblicke noch ein Mal und irgendwie auch intensiver. Darum schreibe ich auch Reiseblog-Tagebücher. Ich habe Zeit, mich damit zu befassen. Ich nenne das "Nachfreude". Erst bei dieser Arbeit prägen sich dann die Bilder so richtig ein und man kann davon zehren. Noch heute erinnere ich mich an sehr viele Details von der Reise im 2005 nach Island oder im letzten Sommer von den Lofoten.

Genau diese Erinnerungen sind dann der Nährboden für die vielen tollen Geschichten von den erlebten Abenteuern. Diese erzählt man dann im Kreis der Familie oder unter Freunden und Bekannten, und man zeigt stolz dazu die Bilder. Ich finde, das gehört genau so zur Reise wie das Reisen selbst. Meine "besten Fotos" lade ich dann auf den Account von Flickr und hoffe insgeheim, dass jemand die Bilder sieht und im besten Fall favorisiert oder kommentiert.

Die Bilder von der diesjährigen Reise haben meine Hoffnungen mehr als erfüllt. Ich lud Bild um Bild nach der Bearbeitung hoch und staunte nicht schlecht, als mein Handy dauernd vibrierte. Ein Fotograf aus NY hat meine Fotos reihenweise favorisiert. Es war Ron Anthony Bautista, mit 56'600 Followern  wohl ein "Schwergewicht" auf Flickr. Das hat mich mit noch mehr Nachfreude erfüllt.

Der Genuss einer Reise ist also nicht nur der erlebte Augenblick, sondern auch die Vor- und die Nachfreude. Bei mir ist die Nachfreude grösser.